Der Name Heringsdorf steht für eins der renommiertesten Ostseebäder auf Usedom überhaupt. Nicht umsonst ist dieser Badeort eins der berühmten drei Kaiserbäder. Die anderen beiden – nicht weniger schön anzusehen – sind die Seebäder Ahlbeck und Bansin östlich und westlich davon. Die eher volksmündliche Bezeichnung resultiert daraus, dass der Hochadel sich sehr oft hier aufhielt. Und noch vor den Jahren der Sommerfrischler, nämlich 1820, soll der spätere König Friedrich Wilhelm IV. dem kleinen Fischerdorf einen Besuch abgestattet und wegen des penetranten Geruchs den Namen Heringsdorf ersonnen haben. Aus damaliger Sicht nicht sehr schmeichelhaft, aber seit geraumer Zeit sind die Bewohner stolz auf diese Bezeichnung und zeigen drei silberweiße Heringe im sonst blauen Wappen.

Seit Beginn des Jahres 2005 stehen die drei Kaiserbäder unter einer gemeinsamen Verwaltung, was indessen die Individualität jeder einzelnen Ortschaft keineswegs beeinträchtigt. Im Folgejahr hat man sich auf die gemeinsame Bezeichnung Ostseebad Heringsdorf geeinigt. 

Der Strand im Seebad Heringsdorf

Und tatsächlich verfügt das Ostseebad Heringsdorf über einen breiten, feinkörnigen Sandstrand, der sehr sanft ins Meer abfällt. Das ist besonders angenehm für Familien mit Kleinkindern. Denn der Nachwuchs kann unbehelligt im Wasser planschen, ohne dass sich die Eltern Sorgen machen müssten. Dies umso weniger, als auch Rettungsschwimmer ein wachsames Auge auf das Geschehen haben.

Das Seebad Heringsdorf besitzt mehrere Strandabschnitte, die alle ein wenig unterschiedlich ausgerichtet sind. Das Hauptgeschehen findet ohne Zweifel nahe der Seebrücke statt. Dort drängen sich in der Hochsaison die Urlauber mit und ohne Strandkorb, um die herrliche Luft und das angenehme Wasser zu genießen. An diesem Strand hat sich der größte Anbieter von Wassersport niedergelassen. Katamarane und Tretboote, Kajaks und Segelboote stehen den Gästen zur Verfügung. Und auch für ein spannendes Vergnügen ist gesorgt: Das beleibte Banana-Riding findet immer wieder begeisterte Anhänger.

An diesem Stand legen die Schiffe für Rundfahrten an und ab.
Der Fischerstrand von Heringsdorf macht seinem Namen insofern alle Ehre, als oberhalb der Strandpromenade verschiedene Buden mit köstlichem Räucherfisch und knackigen Fischbrötchen stehen. Wem all dieser Trubel zu viel wird, mag sich in die Nähe des Fernsehturms an der Kulm begeben: Hier ist ein Strandabschnitt – ebenso schön, aber viel ruhiger als die ganz bekannten.

Und sogar für die vierpfotigen Lieblinge gibt es in Heringsdorf einen eigenen Strandabschnitt. Der Hundestrand befindet sich am Sackkanal auf dem Weg nach Bansin. Für Herrchen und Frauchen ist ebenfalls gesorgt: Ein Imbisstand und sogar ein Strandkorbverleih machen den Aufenthalt am Heringsdorfer Hundestrand sehr angenehm.

Die Strandpromenade in Heringsdorf

Mit stolzen fünf Kilometern besitzt das Seebad Heringsdorf die längste Kurpromenade auf Usedom. Sie verläuft zwischen dem Sackkanal und der Grenzstraße. Allerdings ist sie damit nicht am Ende angekommen, Im Gegenteil: Sie führt nahtlos weiter bis nach Ahlbeck im Osten und Bansin im Westen. Beim Bummel über die bequem ausgebaute Promenade sieht der Spaziergänger viele alte Villen in der berühmten Bäderarchitektur aus der Gründerzeit.

Eine sehr angenehme Besonderheit auf Usedom ist der Küstenfahrradweg, der sämtliche Badeorte der Insel miteinander verbindet – offenbar waren sich die einzelnen Verwaltungen mal einig zum Wohl ihrer Gäste.

Die Seebrücke im Seebad Heringsdorf

Mit 508 Metern ist die Heringsdorfer Seebrücke die längste in Europa. In ihrer aktuellen Form entstand sie 1994, wobei die Einweihung ein Jahr später stattfand. Sie versprüht nicht mehr den verschnörkelten Charme der Vorgängerin; vielmehr wirken die Aufbauten beinahe schlicht. Dafür geht es im Inneren umso edler zu: Noch an Land stehen mehrere dekorative Ferienhäuser für einen exklusiven Urlaub direkt am Wasser bereit. Dazwischen gibt es eine regelrechte Shopping-Mall; im Stil der Urlauberunterkünfte ist sie mit einem spitzen, allerdings durchsichtigen Dach versehen und beherbergt exklusive Läden aus nahezu allen Bereichen. Und wenn der Urlauber dann erst den Teil der Seebrücke auf dem Wasser erreicht hat, ist das Staunen noch lange nicht vorbei. Denn zum Wohl der Gäste setzt sich die gläserne Überdachung fort – so lässt sich der Brückenkopf auch bei widrigen Witterungsverhältnissen komfortabel erreichen. Am Ende steht der klassische Pavillon und lockt mit gastronomischen Einrichtungen.

Der Vorgängerbau ganz in der Nähe der jetzigen Seebrücke war annähernd so lang. Allerdings diente er in allererster Linie als Anleger für die Dampfschiffe, mit denen die feinen Urlaubsgäste an- und abreisten. Auf diese Weise blieb es ihnen erspart, etliche Meter vom Ufer entfernt in kleine Bötchen umzusteigen und anschließend womöglich noch durchs Wasser zu waten. Denn für die ersten Sommerfrischler und die feinen Erholungssuchenden stand damals noch keine ausgeprägte Infrastruktur in Heringsdorf zur Verfügung. Die Straßen waren eher Feldwege, und die Bahnlinie erreichte erst etwas später das exklusive Seebad.

Die Heringsdorfer Seebrücke war seinerzeit auch ein beliebter Ort, sich den anderen Urlaubsgästen zu zeigen. Und um selbst zu sehen, wer sich ebenfalls diesen exklusiven Badeort leisten konnte. Man flanierte ebenso wie über die Strandpromenade. Und zumindest das ist bis heute so geblieben.

Mittlerweile legen keine Linienschiffe mehr an der Heringsdorfer Seebrücke an. Allerdings kann man hier zu interessanten Ausflugsfahrten in See stechen. Daran hatte man indessen seinerzeit keinerlei Interesse. Und als die alte Seebrücke in den 1950er Jahren völlig niederbrannte, machte die DDR-Führung keine Anstalten, ein Bauwerk zu erneuern, das der eigenen Ideologie völlig entgegenwirkte. Und Ausflugsfahrten auf der Ostsee? Vollkommen undenkbar!